Architektur Ausstellungen Deutschland

+++ Aktuelle Öffnungszeiten entsprechend örtlichen Corona-Regeln finden Sie auf den Websites der Institutionen +++

Unité d’habitation – Le Corbusier – Firminy

Unité d’habitation – Le Corbusier – Firminy

Die Unité d'Habitation in Firminy ist die letzte der insgesamt fünf realisierten grossen Wohnbauten nach einem Entwurf von Le Corbusier. Die vier anderen Unités befinden sich in Marseille, Rezé-les-Nantes, Briey-en-Forêt sowie in Berlin. Der Bau der Unité d'Habitation in Firminy geht auf ein städtebauliches Programm des Architekten Eugène Claudius-Petit zurück, das leider nicht vollständig umgesetzt wurde. Die Arbeiten an der Unité d'Habitation in Firminy wurden 1965 begonnen. Nach dem Tod von Le Corbusier wurde das Bauwerk durch André Wogenscky fertiggestellt. Konzipiert als "vertikale Gartenstadt" ist das Gebäude von zahlreichen Schlüsselmerkmalen der Architektur von Le Corbusier geprägt. Wie auch bei den anderen Unités wird der Baukörper durch die Betonpfeiler vom Erdboden losgelöst, so dass der visuelle Kontakt mit der Natur so weit wie möglich intensiviert wird. Die beiden Längsfassaden sind nach Osten und Westen ausgerichtet. Dadurch kann die bestmögliche Besonnung für die Wohnungen gewährleistet werden. Mit Ausnahme der Atelierwohnungen sind alle anderen Einheiten als Maisonetten ausgelegt. Das gesamte Gebäude wurde nach dem Proportions- und Masssystem "Modulor" gestaltet. Die ursprünglich 414 Wohnungen unterschiedlicher Typen verteilen sich auf 17 Etagen, und werden durch sieben «rues interieures» erschlossen. Im Gegensatz zur ersten Unité d'Habitation in Marseille gibt es in Firminy kein Stockwerk mit Einkaufsgeschäften. Dafür befindet sich im 18. und 19. Stockwerk eine Schule. Darüber wurde die Dachterrasse im 20. Geschoss angeordnet. Mit seinen beeinrdruckenden Abmessungen von 130.35 m Länge, 21.00 m Breite und 56.0 m Höhe thront das Gebäude auf einem Hügel über Firminy. Das Gebäude unterscheidet sich in zahlreichen Details von der ersten Unité. Leider hat die Gestaltung des riesigen Baukörpers in der neueren Fassung an Feinheiten verloren. Insbesondere vermisst man die plastischer geformten Pilotis, die vielfältigere Farbgestaltung der Loggien und die Brüstungsgitter.

Die Schule in den beiden obersten Stockwerken wurde 1998 nach insgesamt 30 Jahren geschlossen. Das nördliche Drittel der Unité d'Habitation wurde während 20 Jahren geschlossen. Nach einem umfassenden Restaurierungs- und Renovierungsvorhaben konnte dieser Gebäudeteil wiedereröffnet werden. Diese Wohnungen wurden dann im Rahmen eines Miteigentumsmodells angeboten. Der südliche Teil des Wohnhauses verblieb währenddessen im Eigentum des öffentlichen Wohnungsamtes von Firminy. Noch heute ist die Musterwohnung im Originalzustand erhalten, und kann besichtigt werden. Das Gebäude wurde 1993 teilweise unter Denkmalschutz gestelt, so gelten der Dachgarten, die Schule, die Pilotis sowie die Fassade als geschützt.