Architektur Ausstellungen Deutschland

Haus der Architektur Graz

Architecture After the Future

23.6.–30.7.2017
©Andreas Töpfer

Gesellschaftstheoretikern wie Marc Augé oder Franco „Bifo“ Berardi zufolge leben wir in einer Ära, die durch den Zusammenbruch jeglicher Zukunftsvorstellungen sowie des Zukunftsbegriffes selbst gekennzeichnet ist. Unser Glaube an die Zukunft wurde in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts durch immer wieder auftretende Wirtschaftskrisen, den abschreckenden Berichten an den Club of Rome – einem Zusammenschluss von ExpertInnen unterschiedlichster Disziplinen – und dem scheinbar sicheren Scheitern des sozialistischen Projekts erschüttert. Bedenkt man, dass jeder architektonische Entwurf, im herkömmlichen Sinn dieses Begriffs, immer auch ein Zukunftsentwurf ist, muss die post-futuristische Stimmung der Gegenwartsgesellschaft schwerwiegende Folgen für die Architektur als Disziplin haben.

Die Ausstellung Architecture After the Future gründet auf der Annahme, dass das Verstehen und Sichtbarmachen dieser Folgen eine wichtige Aufgabe für den zeitgenössischen Architekturdiskurs darstellt. Dadurch wird ein erster notwendiger Schritt gesetzt, um die Rückgewinnung der Zukunftsdimension des architektonischen Entwerfens einzuleiten.

Gezeigt werden acht Beiträge, welche aus dem diesjährigen Call for Ideas der Future Architecture Platform von der Kuratorin Ana Jeinić ausgewählt wurden – jedes Projekt steht dabei exemplarisch für eine der spezifischen Strategien, durch die sich die architektonische Praxis an die Bedingungen der post-futuristischen Kultur anpasst.
Die Strategie der Zurückhaltung wird in der Arbeit von Miloš Kosec thematisiert, während die damit verbundene Vorliebe zum Unentschiedenen, Leeren und Ausradierten in der architektonischen Behandlung der territorialen Konflikte Lateinamerikas im Projekt von José Tomás Pérez Valle gefunden werden kann. Flüchtigkeit oder die Tendenz, die zeitliche Existenz eines architektonischen Objekts im gegenwärtigen Augenblick zu komprimieren, charakterisiert die räumlichen Interventionen Bika Rebeks und Noemi Polos – auch Ersi Krouskas tragbare Flüchtlingszelte befassen sich mit dieser Thematik. Paolo Patellis architektonische Archäologie der Europäischen Union veranschaulicht die Zunahme des reflexiven (vergangenheitsorientierten) Inhalts bei der gleichzeitigen Abnahme der projektiven (zukunftsweisenden) Dimension der gegenwärtigen Architekturentwürfe. Die Tendenz der Relativierung, Katalogisierung und Gleichmachung der utopischen Szenarien kennzeichnet Mika Savelas und Henrik Drufvas Projekt eines Weltatlas der Utopien für die Ära des Post-Everything. Paul Landons Videos und Installationen thematisieren die Auswirkungen der spekulativen Bauvorhaben und ihrer visuellen Darstellungen auf die Wahrnehmung des städtischen Raums, während praktische und nüchterne (viel mehr als optimistische oder utopische) Zukunftsspekulationen die Architekturprojekte Florian Bengerts charakterisiert.

Begleitet und strukturiert werden die ausgestellten Projekte durch Kurztexte über post-futuristische Entwurfsstrategien, welche von Ana Jeinić verfasst und von Andreas Töpfer illustriert wurden. Die Ausstellung wird durch ein Symposium mit den teilnehmenden ArchitektInnen und KünstlerInnen sowie eingeladenen Gästen ergänzt. Außerdem wird der Weblog Architecture After the Future die Krise des Zukunftsbegriffs in der Gegenwartsarchitektur aus einer breiteren Perspektive beleuchten und Möglichkeiten ihrer Überwindung erforschen.