Architektur Ausstellungen Deutschland

+++ Aktuelle Öffnungszeiten entsprechend örtlichen Corona-Regeln finden Sie auf den Websites der Institutionen +++

Die Raumgalerie Stuttgart

Maurice van Tellingen
Die Welt im Modell

26.11.2020–16.1.2021
Eröffnung: 25. November, 19.00 Uhr
Maurice van Tellingen, Wasching machine, 2018. Bild: © Maurice van Tellingen. (Washingmachine)

Wir umgeben uns mit Gegenständen und Objekten, auch mit Architektur, möglichst nach der ganz persönlichen Vorliebe. Oder, frei nach Astrid Lindgren: Ich mach‘ mir die Welt, wie sie mir gefällt. Der Amsterdamer Künstler Maurice van Tellingen wirft einen Blick darauf, schneidet den Moment aus, hält ihn in guckkastenähnlich fest – und spiegelt Alltagsszenerien als Artefakte der Wirklichkeit. Faszinierend, unheimlich und voyeuristisch zugleich.

Wir machen uns unsere Welt. Wir gestalten sie, formen sie, füllen sie mit Gegenständen, bauen Häuser, Städte, gestalten Freiräume, Gärten, Parks – im Grunde umgeben wir uns mit von (anderen) Menschen gemachten Formen und Räumen. Ist es also umgekehrt nicht auch so, dass eben diese Formen und Räume auf uns wirken und uns prägen?

Die Arbeiten des Amsterdamer Künstlers Maurice van Tellingen lassen den Betrachter auf Ausschnitte ganz alltäglicher Szenerien blicken. Ein Garagentor, der Gehweg, zweckmäßigste Interieurs, ganz so, wie sie einem an jeder Ecke begegnen könnten, ganz so, wie sie dutzendfach tagein, tagaus nicht beachtet werden. Maurice van Tellingen hält sie fest, friert den Moment ein und erschafft daraus Reliefbilder, die die Wirklichkeit faszinierend, gleichzeitig unheimlich und voyeuristisch genau zeigen. Oft funktionieren sie nur aus einem bestimmten Blickwinkel und lösen sich ins Absurde auf, wenn man sich bewegt. Maurice van Tellingen fordert so die perspektivische Wahrnehmung heraus und fragt gleichzeitig, ob es eine „richtige“ Wahrnehmung gibt, oder ob sie nur eine „gewohnte“ ist.

„Unsere Umgebung spiegelt, wer wir sind“, sagt Maurice van Tellingen. In seinen Objekten spürt der Künstler der conditio humana nach – wir sind, wie, womit und worin wir leben. Seine Arbeiten sind menschenleer, die menschliche Gegenwart ist jedoch stets inhärent. Die faszinierend detailreich gearbeiteten Objekte wirken nüchtern und sachlich, und doch scheint die Stimmung auf der Kippe zu stehen. Eine Anspannung ist zu spüren, eine unheimliche, fast trostlose Wirkung entfaltet sich und wirft Fragen auf: Welche Geschichte lauert hinter dem leicht geöffneten Garagentor, wer hat die Spuren auf dem Gehsteig hinterlassen, was ist passiert in den Innenräumen?