Architektur Ausstellungen Deutschland

Architektur Galerie Berlin SATELLIT

Natascha Paulick
Granddaughter Meets Grandfather

21.3.–18.4.2020
© Natascha Paulick

Jeder Mensch weiß etwas von seinem Arzt, seinem Frisör, seinem Nachbarn, aber wer kennt seinen Architekten, jenen Mann, der doch so entscheidend über seine Lebensräume bestimmt? (G. Große/K. Nitsch)

Diese Frage thematisiert Natascha Paulick auf besondere Weise. Denn sie lebt in eben jener Wohnung, die ihr Großvater Richard Paulick (1903–1979) 1953 für seine Familie entwarf – in der Berliner Karl-Marx-Allee (bis 1961 Stalinallee), für deren Gesamtplanung er auch verantwortlich war. Folgerichtig setzt sie sich auf mehreren Ebenen mit der Person und dem Werk ihres Großvaters auseinander. Dafür kombiniert Natascha Paulick unterschiedliche Artefakte, deren Anordnung und Gewichtung sie als Momentaufnahme ihrer Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Erbe versteht.

Ihre atmosphärischen Fotografien von Paulicks Bauten in Berlin, Dessau und Halle-Neustadt zeigen vor allem das Momenthafte und Suchende ihrer persönlichen Annäherung. Die ausgewählten Briefe, unter anderem aus dem Briefwechsel Richard Paulicks mit Walter Gropius und Xanti (Schawinski) wiederum eröffnen eine ganz andere Perspektive: Sie erlauben Einblicke in die berufliche und private Gedankenwelt des Autors und spiegeln gleichzeitig den historischen Kontext wieder. Eine weitere Facette liefern die Tonaufzeichnungen aus einem Interview mit Richard Paulick von 1969.

Natascha Paulick ist Schauspielerin und Fotografin, darüber hinaus arbeitet sie aktuell u.a. an einer Langzeitdokumentation über Richard Paulick. Dieser war Poelzig Schüler und arbeitete u.a. als Büroleiter von Gropius. 1933 emigrierte er nach Shanghai. 1949 ging er in die DDR, wo er u.a. die Wiedererrichtung der zerstörten Staatsoper verantwortete und Chefarchitekt für Hoyerswerda und Halle-Neustadt war.