Architektur Ausstellungen Deutschland

Deutsches Architektur Zentrum DAZ Berlin

Mise-en-Scène
Architektonische Portraits

2.12.2017–4.2.2018
© Peter Welz, Casa Malaparte (curved wall | double), 2014. Photo: Peter Schneider

In der Ausstellung „mise-en-scène – architektonische Portraits” im Deutschen Architektur Zentrum DAZ in Berlin werden ikonische Werke der Moderne neu interpretiert. Auf Einladung des Künstlers Peter Welz werden neben seinen Videos objekthafte Film- und Videoarbeiten von David Maljkovic und Christopher Roth gezeigt, die Bauwerke zu subjektiven Akteuren neuer Erzählungen machen.

Der gebürtige Kroate David Maljkovic verbindet in „Images With Their Own Shadows“ die Atmosphäre verpasster Chancen und des resignierten Optimismus‘ der sozialistischen Moderne in Jugoslawien mit einer alternativen Sicht auf kulturelle Bewegungen in der Nachkriegszeit. Der Film zeigt eine Gruppe von hippen, unbekümmert wirkenden Jugendlichen in einer scheinbar ortlosen, futuristischen Umgebung. Die Aufnahmen der Gruppe werden von langen Einstellungen bewegter geometrischer Skulpturen aus grauem Metall begleitet. Gedreht wurde am Haus des kroatischen Künstlers, Architekten und Gründungsmitglieds der Gruppe EXAT 51, Vjenceslav Richter.

In Christopher Roths Installation “Pilgrim Viewer” von 2015 (zusammen mit Sam Chermayeff und Arno Brandlhuber) wird sein Film „Blow Out (The Film)“ gezeigt. Er wurde in der „La Cupola“ des Architekten Dante Bini auf Sardinien gedreht, die der Regisseur Michelangelo Antonioni und die Schauspielerin Monica Vitti in den frühen 70ern in Auftrag gaben, um dort ihre Sommer zu verbringen. Roth spielt mit vielen Referenzen und setzt sie auch ins Bild: die Liebesgeschichte zwischen Antonioni und Vitti, die Anmutungen des Hauses zwischen Raumschiff und Liebesnest, Veruschka als Model in „Blow up“ und ihre Erscheinung im verlassenen Haus. Der Künstler entwickelt eine lose narrative Struktur, um unterschiedliche zeitliche und inhaltliche Ebenen miteinander zu verbinden.

Peter Welz porträtiert mit „Casa Malaparte“ die nach einem ersten Entwurf von Adalberto Libera schließlich von Curzio Malaparte selbst errichtete Villa auf Capri als Gebäudepersönlichkeit. Welz separiert die Elemente des Hauses und betrachtet sie wie die Organe eines Lebewesens. Mit wenigen, präzisen Kameraeinstellungen inszeniert er ein freies Spiel zwischen Film und Ausstellungsraum und den umhergehenden Betrachter. Architektur, Weite, Wind und das Rauschen des Meeres schaffen eine Stimmung, die das Haus, seine einzigartige Lage und seine Geschichte assoziativ aufscheinen lassen.