Architektur Ausstellungen Deutschland

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung Berlin

Kunst am Bau im Humboldt Forum

19.4.–4.5.2018
© Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Ende 2019 soll das Humboldt Forum in Gestalt des Berliner Schlosses fertig sein.  Höchste Zeit, um über die Kunst am Bau nachzudenken. Zwei von drei geplanten Wettbewerben wurden bereits entschieden. Einer für die beiden Treppenhäuser hinter den historischen Seitenportalen 1 und 5 im Schlüterhof und einer für die zentrale Treppenhalle.

Entsprechend der Auslobung für den Wettbewerb in den Seitenportalen sollten sich die Beiträge thematisch mit der Architektur, der Geschichte des Ortes und den inhaltlichen Bezügen des Humboldt Forums auseinandersetzen, die Aufenthaltsqualität erhöhen und über eine hohe künstlerische Qualität und Aussagekraft verfügen. Es war im Rahmen des Entwurfs möglich, in einem oder in beiden Treppenhäusern den definierten Luftraum oder die vorgegebene Wandfläche zu bearbeiten. Auch beide Bereiche zu gestalten war denkbar. Außerdem waren korrespondierende Kunstwerke in den sich gegenüberliegenden Treppenhäusern explizit erwünscht, aber natürlich kein Muss.

Die Jury unter Vorsitz von Werner Schaub hatte aus 222 eingereichten Arbeiten 18 für die zweite Phase ausgewählt. Schließlich wurden die Beiträge von An Seebach aus Berlin und Christiane Stegat aus Köln für das Treppenhaus über Portal 1 und der Beitrag von Tim Trantenroth aus Berlin für das Treppenhaus über Portal 5 mit jeweils einem ersten Preis ausgezeichnet. Ein zweiter Preis und ein Sonderpreis wurden ebenfalls vergeben. Für die Realisierung stehen je Treppenhaus 150.000 Euro zur Verfügung.

Das Projekt „Global Barrocc – Ccorab Labolg“ von Seebach und Stegat überzeugte mit einer Kombination zweier Medien in einem Wandbild. In Anlehnung an den historischen Vorgängerbau werden barocke Architekturelemente, darunter Exponate der Sammlungen des Humboldt Forums, als feinlinige Zeichnungen mit Mitteln digitaler Techniken zu einer großen Wandmalerei zusammengefügt. Der zeitgenössische Rahmen findet sich auch in den im Treppenhaus ausliegenden Büchern wieder. Mit dieser Arbeit entstehe eine medial mehrschichtige Präsentation des Mikrokosmos des Humboldt Forums, so die Jury.

Tim Trantenroth reflektiert mit seiner großzügig über die ganze Portalwand gespannten Arbeit für das Treppenhaus über dem Portal 5 die Fassadenstruktur des Palastes der Republik, der zuvor auf dem Gelände stand. Zwischen Rasterstruktur und überzeichneter Perspektive überzeugte die Arbeit die Jury durch Fern- und Nahwirkung der gemalten Flächen und Leerstellen.

„Lichtpause“ von Dico Kruijsse und Carolin Lange aus Rotterdam erhielt den zweiten Preis. Bei ihrer Arbeit hinterlassen die vom Tageslicht projizierten Lichtflächen mit der Technik der Cyanotypie dauerhafte, teilweise tiefblaue Abbilder, wobei die negativartigen „Fotos“ abhängig von der Lichtintensität im Laufe des Tages zwischen Klarheit und Diffusität wechseln.

Die Arbeit „Berlin 1:1 in Douala“ von Erik Göngrich und Cora Hegewald ist als Langzeitprojekt angelegt. Sie hinterfragen das Konzept der Kulturinstitution und reflektieren gleichzeitig das kolonialgeschichtliche Erbe. Das Ziel, die Wandflächen allein mit den Buchstaben der Ortes Douala, ein unkonventioneller Ausstellungsort in Kamerun, als einen Raum für dialogische, partizipative Formate zu gestalten, zeigt einen radikalen Vorschlag für das Treppenhaus. Weil der Entwurf die räumlich gegebenen Grenzen der Auslobung überschreitet, erhielt er einen Sonderpreis.

Der zweite Kunst-am-Bau-Wettbewerb für die Treppenhalle des Humboldt Forums wurde am 9. März 2018 entschieden, die entsprechende Ausstellung gestern Abend eröffnet. Gewonnen hat Sunkoo Kang aus Berlin mit seiner Arbeit „Statue of Limitations“. Sein Vorschlag für die zentrale Treppenhalle sieht eine Bezugnahme auf den kolonialhistorisch problematisch benannten Nachtigalplatz im sogenannten Afrikanischen Viertel im Stadtteil Wedding vor. Eine Trauerbeflaggung aus schwarz patinierter Bronze wird sowohl dort als auch im Schloss zu sehen sein – und zwar halbiert einmal am Boden im öffentlichen Raum und dann unter der Decke des Treppenhauses. In einer Zeit der Revision will Kang an die zerstörerische Geschichte und auch Gegenwart nationalistischen Denkens erinnern, die die beiden Orte unmittelbar miteinander verbindet.