Architektur Ausstellungen Deutschland

Aedes Architekturforum Berlin

Jetzt und Hier - Chengdu
Liu Jiakun: Ausgewählte Arbeiten

22.7.–31.8.2017
West Village, presented at the 15th International Architecture Exhibition of La Biennale di Venezia, Reporting from the Front

Mit einem Fokus auf die soziale Realität und unter Berücksichtigung des lokalen Kontexts und Handwerks überträgt das Werk Liu Jiakuns in einzigartiger Weise traditionelle chinesische Haltung in eine zeitgemäße Architektursprache und repräsentiert eine sensible Verwebung von individuellen und kollektiven Erinnerungen. Viele seiner Arbeiten thematisieren die wechselseitigen Beziehungen zwischen dem öffentlichen Leben der chinesischen Bürger und den urbanen Kulturräumen. Aedes zeigt hauptsächlich Projekte in Chengdu, unter anderem den West Village Yard. An ihnen lassen sich einerseits die urbane Entwicklung und der genius loci der Stadt, andererseits Chengdus humanistischer Standpunkt bei der Verwirklichung eines neuen Modells für Urbanisierung ablesen. Damit möchte die Ausstellung ein neues Kapitel im Dialog über Stadtentwicklung zwischen Deutschland und China eröffnen.

Mit 19 Quadratmetern ist das Hu Huishan Memorial House das kleinste Museum in China. Hu Huishan starb im Alter von 15 Jahren durch das Wenchuan Erdbeben am 12. Mai 2008. Die Studentin interessierte sich sehr für Literatur und wollte Schriftstellerin werden. Größe, Fläche, Volumen und Form des Denkmals nehmen Bezug auf die Rettungszelte, die nach der Katastrophe eingesetzt wurden. Die Außenwände sind grau bemalt und ähneln den örtlichen Wohnhäusern. Der Innenraum ist in rosa gehalten – die Lieblingsfarbe des Mädchens. An den Wänden hängen übrig gebliebene Gegenstände aus ihrem Leben. 



Im Gegensatz zu Chinas weit verbreiteter Praxis der Konstruktion enormer Denkmäler, die für Heldentum und Patriotismus stehen, widmete der Architekt Liu Jiakun sein kleines Denkmal einer einzigen Person. Seine Botschaft ist klar und kraftvoll: „Die Achtung des Wertes des gewöhnlichen Lebens wird die Grundlage für die Wiederbelebung unserer Nation sein.“ 


Liu Jiakuns Vision bleibt offen für die vielfältigen Traditionen Chinas: die alten, modernen und offiziellen, die Volkssprache und das Fundament. Für jedes konkrete Projekt zielt die Gestaltung auf zeitgenössische architektonische Fragen ab mit einem Sinn für Realismus – ein Ansatz, der von der Volksklugheit inspiriert ist. Mit einem Vertrauen in die Kompatibilität von Traditionen und Realitäten hat sich das Büro Jiakun Architects dazu verpflichtet, das orientalische kulturelle Wesen in eine zeitgenössische Architektursprache umzusetzen. Die Suche nach geeigneten technischen Ansätzen in der Architektur ist eine logische Fortsetzung der professionellen Arbeit, die die Bedürfnisse der Menschen bedient. 


Jiakun Architects wurde 1999 von Liu Jiakun in Chengdu gegründet. Neben architektonischen Projekten ist das multidisziplinäre Büro spezialisiert auf großflächige Planung, Städtebau, Landschafts- und Innenarchitektur, Produktgestaltung und Installation. Das Büro erhielt mehrere inländische und internationale Auszeichnungen, nahm an mehreren internationalen Kooperationen und Ausstellungen teil.